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#peopleonbenches No. 2: Meike Winnemuth

Diese Bank, ist eigentlich nur die 2. Wahl. Und eigentlich ist es auch ein übergroßer Stuhl. Ihre Lieblingsbank steht in ihrem kleinen Garten an der Ostsee. Dafür ist dieses Fabrikat am Venusberg in Hamburg wie gemacht für sie und ihren Foxterrier Fiete. 

 

Meike Winnemuth, 57 Jahre, gebürtig aus Neumünster, arbeitet als freiberufliche Schreiberin derzeit für National Geographic, GEO Saison und STERN im Verlagshaus Gruner + Jahr. Es ist wieder ein recht „normales“ Leben, sagt sie. Und doch anders als davor. Davor heißt vor ihrer 12 monatigen Weltreise. Nach dem Gewinn bei „Wer wird Millionär?“ entschloss sie sich, an Orte zu reisen, wo sie schon immer hinwollte. Unter sehr eingängigen Zielen wie Barcelona, die schon viele, außer ihr selbst, besucht haben, wählte sie auch Exoten wie Addis Abeba in Äthiopien oder Mumbai in Indien aus, um dort jeweils einen Monat zu leben. Gerade die Letzteren prägen sie noch heute: seitdem sehe sie nichts mehr als selbstverständlich an - trinkbares Leitungswasser, Elektrizität und auf die Minute pünktliche ÖPNV-Verbindungen, seien einfach ein „zivilisatorisches Wunder“ für das man jeden Tag dankbar sein sollte sagt sie. Mit dem Unerwarteten zu rechnen, ist ein Paradoxon, das ihrem Leben eine ungemeine Gelassenheit gibt. Dennoch, und das ist auch eine Reise-Erkenntnis, braucht der Mensch etwas, woran er sich orientieren kann, wo er sich zugehörig fühlt, sei es eine Aufgabe oder eine gewisse Regelmäßigkeit. So arbeitete sie auch während ihrer Reise, um nicht ganz den Draht zum vorherigen Leben zu verlieren. Und ihre eigenen Vier Wände liebt sie unter anderem auch dafür, dort Dingen nachgehen zu können, die einen sprichwörtlich erden, z.B. regelmäßig zuzusehen, wie ein Bäumchen im eigenen Garten heranwächst.  

 

Meike Winnemuth hat sich einen Lebensstil angelegt, der es ihr ermöglicht, Vieles abzulegen. Sie lebt bescheiden, nur mit dem Nötigsten und den Dingen, die einen ideellen Wert haben. Alles andere ist Ballast, der einen nicht glücklicher macht. Hierzu schrieb sie vor kurzem eine Titelgeschichte im STERN Weniger zu haben und freier zu sein und aus jeder Schwäche heraus auch die dazugehörige Stärke zu sehen sind Charaktereigenschaften, die sie zu einer starken Persönlichkeit oder wie sie an anderer Stelle sagt „später zu einer möglichst glücklichen Leiche“ machen: „Menschen, die schlecht auf andere zugehen können, sind vielleicht die perfekten Beobachter.“ Ein kluger Satz von einer Frau, die andere ermutigt, selbst über den Tellerrand des Alltags zu gehen. Das schafft sie sehr gut, wie z.B. die Resonanz auf ihren SPIEGEL Bestseller „Das große Los“ zeigt. 

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