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#sunwards - Elternzeitreise um die Welt | Woche 2

Der letzte macht das Licht aus! Das gilt auch auf einem internationalen Flughafen. Als letzte Passagiere an diesem Sonntagabend verließen wir das Terminal in Christchurch nachdem wir uns erst mit einer Frau vom Visa-Check verquatscht hatten und schließlich auch noch Natas Schuhe gereinigt werden mussten („dieser Dreckklumpen könnte was Giftiges sein“). Die arme Marisca. Die gebürtige Südafrikanerin lernte ich vor 7 Jahren auf einer Tagestour in Lesotho kennen. Seit einem halben Jahr lebt und arbeitet sie in Neuseeland. Für die nächsten vier Nächte durften wir ihre Gäste sein. Ihr verdanken wir eine Menge: wir fühlten uns pudelwohl in ihrem Haus, durften sogar einen Tag ihr Auto haben und hatten eine tolle Gemeinschaft – Marisca, thanks so much for these days, you’re amazing!

Quake City

Christchurch ist die zweitgrößte Stadt des Landes, versprüht dafür aber einen fast kleinstädtischen Charme. Es gibt einen wunderbaren Spielplatz, ein paar historische Straßenbahnen, natürlich einen botanischen Garten (extrem idyllisch, aber bevölkert von asiatischen Urlaubern) und ganz viele neue Straßen sowie leer stehende Grundstücke. Als Ende Februar 2011 die Erde bebte, wurden 52 Prozent der Straßen und ein Großteil der Gebäude mindestens beschädigt, wenn nicht gar völlig zerstört, so wie z.B. die alte Kathedrale im Stadtkern. Rein theoretisch sucht den Bundesstaat Canterbury alle 10 Jahre ein Beben der gleichen Stärke (6,2) heim, da sich die australische und pazifische Platte hier aufeinander zu bewegen. Ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass es jederzeit wieder losgehen könnte. Doch das ist auch die einzige Gefahr, die es zu geben scheint. Lokale Zeitungen haben kaum etwas zu berichten, siehe letzte Titelgeschichte: „Nachbar eines Gänsehalters beschwert sich über die Lautstärke der Tiere“.

Vom Erdbeben zerstörte Kathedrale in Christchurch
Vom Erdbeben zerstörte Kathedrale in Christchurch

Akaora - Klein-FrANKREICH IM pARADIES

Unser erstes Highlight war der Tagesausflug ins 90 Minuten entfernte Akaroa. Auf einer vulkanischen Halbinsel gelegen, ist das kleine Hafenörtchen ein Überbleibsel französischer Siedlungsversuche. Davon zeugen u.a. die französischen Straßennamen und Restaurants. Eigentlich ist der Ort auch Ausgangspunkt für Boottrips, da das Wetter allerdings nicht das Beste war und ich noch immer mit der Erkältung zu kämpfen hatte, erfreuten wir uns lediglich unserer ersten Portion Fish&Chips. Den Rückweg fuhren wir über die „Tourist Road“. Für den Ausblick von den Hügeln auf den Fjord gibt es keine Worte, seht selbst. 

Blick auf den Fjord von Akaroa
Blick auf den Fjord von Akaroa

Wir werden Camper

Am Donnerstag fuhr uns Marisca zum Camper-Depot, wo wir unser rollendes Zuhause für die nächsten 7 Wochen abholen durften. Die Suche nach dem richtigen Gefährt hat mich im Vorfeld übrigens fast zum Verzweifeln gebracht. Es gibt Dutzende Anbieter und eine riesen Preisspanne. Letztlich sind wir bei der CamperOase gelandet, die uns unkompliziert beraten und den Weg frei für das wohl beste Angebot auf dem Markt gemacht haben. Nach einer ausführlichen Übergabe ging es los. Der Toyota Hiace hat bereits über 300.000 Kilometer runter, fährt sich bei starkem Wind wie ein Segelboot, ist aber mit allem ausgestattet, was es braucht, auf Neudeutsch „self-contained“. Außerdem können wir zu Dritt im Front sitzen. Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Natur-Campingplatz. Außer Plumpsklos und ein Spülbecken gab es abgesehen von Wald und Fluss nichts. Bzw., doch: einen richtig krassen Sternenhimmel und am nächsten Morgen Rückenschmerzen, weil der Camper schräg stand (wahrscheinlich Camping-Regel Nr. 1). 

Unsere erste Nacht verbrachten wir im Nirgendwo
Unsere erste Nacht verbrachten wir im Nirgendwo

In Dunedin (gesprochen Dann-i-denn) hielten wir am nächsten Tag, um unsere Vorräte aufzufüllen und die steilste Straße der Welt zu besuchen. Einen Meter Steigung auf 2,86 m Länge – das lassen wir mal lieber mit unserem Camper und fahren besser weiter auf normalen Straßen in Richtung Catlins. Diese wunderschöne, angeblich recht wenig besuchte Region ganz im Süden, hielt ein Highlight nach dem anderen parat. Nummer Eins: Der Leuchtturm am Nugget Point im Abendlicht. Nummer Zwei: eine ausgewachsene Robbe, die vor unseren Augen aus dem Wasser auf den Strand robbte und sich dort im Sand wälzte – einfach ein unbeschreibliches Ereignis. Und dann war da auch noch die nette Dame des tollen Campingplatzes in Newhaven, die uns zwei Maschinen Wäsche wusch und trocknete - für umme. Nummer Drei: unsere erste Tageswanderung entlang des Catlins Rivers und schließlich, Nummer Vier, der versteinerte Wald in der Curio Bay. 175 Millionen Jahre (!!!) alte Bäume liegen bei Ebbe zugänglich in der Bucht – sowas Altes hatten wir noch nie berührt. Das letzte Highlight war eigentlich gar nicht mehr in den Catlins, aber auf jeden Fall erwähnenswert. 

Ein sehr fotogener Seelöwe
Ein sehr fotogener Seelöwe

Ein geselliger Abend zum Wochenabschluss

Für die 5. Nacht hielten wir in der „Metropole“ Winton. Da wir keine Lust mehr hatten weiterzufahren und uns ein LKW-Parkplatz im Ortskern weniger ansprach, entschieden wir uns kurzerhand für einen Parkplatz eines örtlichen Golf-Clubs. Hier hatten wir Strom, Dusche UND einen sehr netten Abend mit ein paar Alten Herren, die ihren großen „Golf Day“ noch im Club-Pub ausklingen ließen. „Its free“ sagte uns der Betreiber auf unsere Getränkebestellung hin. Die anderen 1000 ml Bier waren auch noch free und als wir uns alle auch irgendwann free zu gehen fühlten und zwar ins Bett, machten wir wieder mal die Lichter aus und beendeten den Tag und unsere erste Woche auf neuseeländischem Boden. 

 

PS: mehr Bilder gibt es in meiner Galerie

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