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#sunwards - Elternzeitreise um die Welt | Woche 4

Die neue Woche begann mit einem Spaziergang rund um den Lake Matheson. Dieser kleine See unweit unseres Nachtquartiers ist eigentlich dafür bekannt, dass sich die beiden höchsten Berge Neuseelands darin spiegeln. Wetterbedingt spiegelten sich an diesem Vormittag allerdings nur die Bäume vom gegenüberliegenden Ufer.

Der spiegelglatte Lake Matheson ist auch bei trübem Wetter ein Spaziergang wert.
Der spiegelglatte Lake Matheson ist auch bei trübem Wetter ein Spaziergang wert.

Eiskalt erwischt

Wer die Nacht in einem Ort namens Fox Glacier verbringt, sollte einen Gletscher auch mal aus der Nähe gesehen haben. Wegen Sturmschäden war die Zufahrt zum Fox-Gletscher-Wanderweg gesperrt, so dass wir zum benachbarten Franz-Josef-Gletscher mussten. Die Besonderheit an diesen Gletschern ist, dass sie sehr tief ins Tal reichen. Einst „kalbten“ sie sogar ins Meer. Der Franz-Josef-Gletscher ist ca. 10 Kilometer lang und kommt bis auf eine Meereshöhe von 425m herab. Die 45minütige Wanderung führt durch ein flaches Tal, in dem verformte Felsen Anzeichen dafür sind, dass hier einst tonnenschwere Eismassen lagen. Bis auf 750 Meter konnten wir uns dem Eis an diesem Tag ohne Guide nähern, alles andere ist lebensgefährlich und streng verboten. Trotzdem hatte es mich eiskalt erwischt  und der Anblick ließ mich nicht mehr los. Ich würde fast soweit gehen und behaupten, dass diese Erscheinung einer der schönsten Natur-Ereignisse ist, die ich je gesehen habe. Irgendwann habe ich auch aufgehört die Fotos und die Male zu zählen, die ich mich auf dem Rückweg umgedrehte.

Der Franz-Josef-Gletscher aus 750 Metern Entfernung.
Der Franz-Josef-Gletscher aus 750 Metern Entfernung.

Am nächsten Tag fuhren wir eine längere Strecke zur Küstenstadt Hokitika. Auf dem Weg dorthin begegneten uns zahlreiche historische Autos, manche fast 100 Jahre alt. Wie sich später herausstellt, gehörten sie zur „Warbird Tour“, also ein Treffen von Oldtimern, die um den Zweiten Weltkrieg gebaut wurden. Nach einem grandiosen Sonnenuntergang eilte ich noch zur benachbarten Glühwürmchen-Grotte, wie sie in dieser Region recht häufig vorkommen. 

Freedom Camping mit Begleitung

Von Mittwoch auf Donnerstag probierten wir uns das erste Mal im Freedom-Camping aus. Camper mit Selbstversorger-Zertifikat (mindestens ausgestattet mit tragbaren Toiletten und Solardusche) dürfen solche Plätze anfahren und dort gebührenfrei übernachten. Eigentlich wollten wir dafür in Greymouth bleiben, da der Platz aber gesperrt war, fuhren wir nach einem leckeren Bier-Tasting bei Monteith‘s Brauerei weiter bis Westport. Direkt am Meer gelegen ließ es sich gut hier eine Nacht aushalten. Lediglich die Wekas, hühnerähnliche, flugunfähige Vögel, störten die Idylle etwas mit ihrer aufdringlichen Art. Da sind mir Keas lieber. Ein besonderes Fotomodell kam mir übrigens auf dem Parkplatz zum Gletscher-Wanderweg vor die Linse:

Eine ganz andere Spezies ließ uns dagegen am nächsten Tag ins Schwärmen geraten. In der Nähe des Cape Foulwinds gibt es eine Robbenkolonie. Die erst vor wenigen Monaten geborenen Jungen beim Spielen und Balgen zu beobachten hätte gern auch den ganzen Tag in Anspruch nehmen dürfen.

Am Nachmittag machten wir Halt in Denniston. Einst lebten hier Dutzende Familien vom Kohleabbau. Rund 1,6 Mio. Tonnen des Schwarzen Goldes wurden zwischen 1879 und 1967 mit der Schienenbahn ins 518 Meter tiefer liegende Tal hinab gefahren. Mich hat dieser Ort, in dem sich früher das gesamte Leben einer Generation abspielte, sehr gefesselt, vor allem, weil heutzutage nahezu nichts mehr vermuten lässt, dass dort oben Menschen ihren Lebensmittelpunkt hatten.

Zu gast in Annie's Paradies

Die Nacht verbrachten wir dank mehrerer Empfehlungen aus einer Camper-App auf Gentle Annies Campsite. Bio-Café und Muffins, ein Steinofen, in dem wir gleich am ersten Abend unsere selbst belegten Pizzen machten und die unmittelbare Nähe zum Meer als Bühne für spektakuläre Sonnenuntergänge waren unschlagbare Gründe, gleich zwei Nächte hier zu verbringen. Abgesehen von einer kleinen Wanderung auf dem Charming Creek Walkway und meiner zweiten Lauf-Session hielt sich die Anstrengung in Grenzen. Ich übte ein bisschen Jonglieren, schrieb Postkarten und sammelte schönes Treibholz und zusammen erfreuten wir Drei uns an dem sommerlichen Wetter. 

Unerwartete Entdeckung

Der Samstag war Cruising-Day: 250 km bis nach Nelson mit Zwischenhalt in Murchison. Der heftige Regen freute uns diesmal, da man eigentlich nichts Besseres tun kann, als solche Stunden im Auto zu verbringen. Kurz nach unserer Pause klarte es aber auf und in Nelson auf dem zentral gelegenen Parkplatz mit Freedom-Camping-Plätzen angekommen, überlegte ich sogar, ob ich mit T-Shirt die Stadt erkunden sollte.

 

Erst schlenderten wir zum Queens Garden, wo die Kleine etwas im Gras krabbeln und auf Tuchfühlung mit Enten und Gänsen kommen konnte und danach zur Kathedrale, um im Anschluss zufällig an der Goldschmiede für den Ring der Ringe vorbeizukommen. Jens Hansen, ein dänischer Juwellier bekam 1999 vom Produktionsteam von „Herr der Ringe“ den Auftrag Prototypen für den Ring anzufertigen. 15 Versuchsringe später kam der Zuschlag für die Anfertigung von 40 (!!) Ringen für die Dreharbeiten. Das Tragische: Jens Hansen starb im selben Jahr – 1999 – an Krebs und sah deshalb seine Werke nie auf der Kinoleinwand. Wir ließen den kleinen unscheinbaren Betonklotz der Ringschmiede hinter uns und setzten uns in eine Burgerbar mit vorzüglichem Pale Ale und klasse Burgern. Die (kostenlose) Nacht auf dem Parkplatz war aufgrund der Zeitumstellung eine Stunde länger als sonst. 

Unerwartetes Highlight

Am Ostersonntag besuchten wir die fußläufig entfernte Baptistengemeinde für den Ostergottesdienst. Anschließend folgte ein echtes Highlight. Wir wurden von Pastor Robert und seiner Familie zum Mittagessen eingeladen. Die neunköpfige (!) Familie lebt erst seit einem halben Jahr in Nelson, davor waren sie in Blenheim, ca. 2 Stunden entfernt, zu Hause. Robert ist ursprünglich aus Samoa, wo er auch seine Frau kennenlernte, die als Touristin die Pazifikinsel besuchte. Die Stunden vergingen wie Minuten. Unsere Kleine fühlte sich wie im Schlaraffenland mit all den Spielsachen der Kinder und ich ebenfalls mit all den leckeren Hot Cross Buns. Nach einem gemeinsamen Spaziergang verabschiedeten wir uns am frühen Abend wieder. Was für ein unerwartet schöner Osternachmittag!

 

Die Woche beendeten wir auf einem Campingplatz nahe dem Abel Tasman Nationalpark mit Ravioli und Tomatensauce. Vielleicht können wir in Sachen Gaumenfreude noch etwas mehr rausholen in den nächsten Tagen und Wochen. In puncto Abenteuer, Erlebnis und Socializing wird das Toppen jedoch deutlich schwerer.

 

PS: alle Bilder unserer Reise findet ihr hier: https://www.photonovels.de/galerie/australien-neuseeland/

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