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#sunwards - Elternzeitreise um die Welt | Woche 5

Morgens um 9 Uhr legen wir ab. Unsere Bootsfahrt führt uns  in den Abel Tasman Nationalpark. Entlang der Küste siedelten vor 500 Jahren die ersten Maori und im Jahr 1642 ging hier Abel Tasman als erster Europäer unter niederländischer Flagge vor Anker. Nach etwa einer Stunde Fahrt gehen wir von Bord und starten unsere Wanderung in einer der vielen kleinen Buchten. 11 Kilometer geht es entlang des berühmten Abel Tasman Coast Tracks bis Anchorage. Trotz der vielen Steigungen kommen wir gut voran. Immer mal wieder werden wir belohnt mit tollen Ausblicken auf malerische Buchten. Eine kleine Hängebrücke, eigentlich Namensgeber der Tour, markiert den ersten Wegepunkt. Wir lassen uns Zeit und stellen gegen Ende fest, dass 5 Stunden doch zu schnell vorbei sind. Deshalb geht es die letzten Kilometer im Laufschritt in Richtung Fähranleger, um die Rückfahrt nicht zu verpassen. 

Die Küste des Abel Tasman Nationalparks
Die Küste des Abel Tasman Nationalparks

Abschied vom Süden

Am nächsten Morgen fahren wir an den Strand von Rabbit Island. Das Wasser kommt mir plötzlich gar nicht so kalt vor und so springe ich kurzerhand ins kühle Nass, mein erstes und auch einziges Mal auf der Südinsel. Soviel Wagemut muss natürlich auch belohnt werden und so biegen wir noch auf das Weingut von Seyfrieds ab, eine österreichische Familie, die österreichischen Wein in Neuseeland produziert. Ganz guten sogar, wie ich bei einem Tasting herausfinde. 

 

Wir fahren weiter zu den Marlborough Sounds ins Städtchen Havelock. Hier wartet das berühmte Mailboat auf uns. Es liefert bis heute im Auftrag der neuseeländischen Post Briefe und Pakete für die Bewohner der Sounds aus, die keinen Straßenzugang haben. Unsere Fahrt beginnt am Mittwochmorgen um 10 Uhr mit einem Dutzend weiterer Passagiere und vielen Paketen an Bord. Bei fast wolkenfreiem Himmel nehmen wir Kurs auf abgelegene Buchten, die von den unterschiedlichsten Menschen bewohnt werden. Bauern, Mechaniker, Gastwirte – eins jedoch eint sie: die Vorfreude auf das Eintreffen des Mailboats. Neben Post werden auch die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht. Man kennt sich hier draußen. Nach einer Pause mit leckeren grünen Muscheln werden wir Zeugen der Muschelernte. Der Muschelanbau ist eine wichtige Wirtschaftsinstanz mit jährlich 300 Mio. Dollar Umsatz. Nebenbei reinigen die Muscheln auch noch das Wasser der Fjordlandsschaft. Eine Hand wäscht die andere. 

Der Arbeitstag auf dem Mailboat ist gegen 17 Uhr zu Ende. 180 Kilometer haben wir heute zurückgelegt und viele Menschen glücklich gemacht. Am Abend suchen wir vergeblich nach einem freien Freedom-Campingplatz. Dafür bekommen wir als Abschiedsgeschenk einen grandiosen Sonnenuntergangshimmel, der jedes Feuerwerk in den Schatten stellen würde. 

Am Donnerstag verlassen wir die Südinsel. Zwei Tage später als geplant, aber irgendwie hat sie uns nicht losgelassen, auch weil uns immer wieder Einheimische sagten, dass wir länger im Süden bleiben sollten. Zum Abschluss ließen wir es uns aber nochmal gut gehen mit einem Schokoladen- und einem Weintasting. In Picton fahren wir nach einem kleinen Stadtrundgang auf die Fähre, die uns in etwa 3 Stunden auf die Nordinsel bringt. Die Überfahrt führt durch die Marlborough Sounds, bei der sich die Südinsel nochmal von der schönsten Seite zeigt, so also wolle sie einem hinterherrufen: „Nein, verlass mich niiiiicht.“ 

Spaziergang durch Wellington

In Wellington stellen wir uns auf einen Freedom-Campingplatz in der Evans Bay. Von hier laufen wir am nächsten Tag los hinauf zum Mount Victoria, dem Stadtberg. Der Hobbit Hideaway ist ein kleiner Seitenweg im Wald und soll die Stelle verewigen, wo 2000 die Versteck-Szene gedreht wurde, bei der die Hobbits im Wald vor ihren Angreifern Schutz suchen.

 

Es geht weiter entlang der Waterfront zum Botanischen Garten, den wir mit einer alten Cableway erreichen. Von dort oben lässt sich während eines Picknicks ideal auf die Stadt schauen. Über die belebte Cuba Street schlendern wir zurück zur Bushaltestelle.

 

Wellington hat uns beide irgendwie an San Francisco erinnert mit der Waterfront, den vielen Hügeln und den Parks. Für eine Hauptstadt ist sie sehr unaufgeregt und entspannt trotz des vielen Pendler-Verkehrs, der uns an diesem Tag noch über eine Stunde Zeit kosten wird. Unser Nachtquartier schlagen wir deshalb notgedrungen auf einem Parkplatz direkt am Meer in einem Ort namens Raumati auf. 

"The Mountains are Calling"

Am nächsten Morgen heißt es für mich Laufschuh anziehen und ab auf die "Felder von Pelennor" (so langsam könnte man fälschlicherweise meinen, ich wäre Herr der Ringe Nerd). Grüne Hügel wie im Film und ein windiger Strandabschnitt machen diese 12 Kilometer sehr kurzweilig und meinen Kopf frei für die fast 300 Kilometer lange Fahrt in den Tongariro Nationalpark, die aber aufgrund der Pause in Wanganui ganz erträglich ist.

Weniger erträglich sind dagegen die Temperaturen auf dem nächsten Campingplatz in Whakapapa auf fast 1200 Meter Höhe. Außerdem wurde uns an der Rezeption davon abgeraten, die geplante Wanderung (Tongariro Alpine Crossing) mit der Kleinen zu machen. Aufgrund von Windgeschwindigkeiten bis 100 km/h auf dem Gipfel kann es zu Hyperventileren und Erfrierungen kommen. Letztlich einigten wir uns dann darauf, dass ich allein die Tour mache und meine Frau mit der Kleinen eine alternative Strecke zu den Taranaki Falls unternimmt. 

Wandern auf dem Mond

Last but definitely not least: Der letzte Tag der Woche hat es in sich. Um 7 Uhr fährt mich der Shuttle-Bus mit zwei Dutzend hochmotivierten Touris vom Camp zum Beginn des Wanderweges. Da Autos an dortigem Parkplatz nur 4 Stunden stehen dürfen, ist eine Überquerung ohne Shuttle vom Camp aus praktisch unmöglich. 19,4 Kilometer liegen vor mir. Das erste Viertel geht über Geröll, vorbei an getrockneten Lavasteinen und kleinen Bächen. Der Aufstieg auf fast 1900 Meter ist kurz aber heftig. Besonders weil hier der Abschnitt mit den höchsten Windgeschwindigkeiten ist. Vom Mount Doom (Schicksalsberg) habe ich aufgrund der tiefen Wolken nicht viel gesehen. Dafür haben mich der Rote Krater und die Emerald Lakes entschädigt. Knallige Farben und Schwefelgeruch sind das Szenario für meine kleine Mittagspause. Die Aussicht auf den Lake Rotoaira ist das letzte Highlight dieses Great Walks, von denen es neun Stück in Neuseeland gibt. Nach über 6 Stunden erreiche ich die Busstation, von der ich eine halbe Stunde später mit vielen Eindrücken und Vorfreude auf meine Mädels und die neue Woche abfahre. 

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