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#sunwards - Elternzeitreise um die Welt | Woche 7

Die letzte Woche in Neuseeland beginnt mit einem schönen Sonnenuntergang in Ahipara am 90 Miles Beach (eigentlich nur 88 Kilometer lang), etwa 110 Kilometer von unserem letzten Übernachtungsort Aroha entfernt. Vom Campingplatz aus geht es am nächsten Tag mit einem LKW-Bus zum Cape Reinga, dem nordwestlichsten Eckle Neuseelands. Auf dem Weg dorthin halten wir zum Sandboarden an der riesigen Te Paki Düne. Herr Übermut läuft natürlich ganz nach oben, obwohl ich sowas noch nie gemacht habe. Mit einem Affenzahn geht es dann die Düne hinab ... seht selbst: 

 

Im Anschluss halten wir zum Lunchen an einer schönen Bucht, wo bereits ein paar Locals für uns (und drei weitere Busse) das Grillbuffet aufgebaut haben. Das Wetter spielt trotz starker Bewölkung mit. Auch am Cape Reinga werden wir nur durchs Schwitzen nass. Denn nach nur einer Stunde Aufenthalt geht es bereits wieder zurück. Hier stelle ich fest, dass solche geführten Touren durch ihre Inflexibilität auch Nachteile haben, erst recht für solch freiheitsliebende Menschen wie mich. Trotzdem können wir uns nicht beschweren (vor allem nicht beim Preis von 30 Euro/Person). Unsere Fahrerin Wendy erklärt uns eine Menge über Land und Leute. So erfahren wir, dass in der Kap-Region eine Menge Avocados angebaut werden, viele Familien mit kroatischen Wurzeln wohnen und es in Neuseeland Bäume gibt, die Heiligkeitsstatus besitzen. Auch das Cape Reinga ist für die Maori ein Ort mit großer Bedeutung. An diesem Ort, wo der Pazifik auf die Tasmanische See trifft, befindet sich der Überlieferung nach der Startpunkt für den langen Pilgerweg der Seelen der Toten nach Hawaiki. Hawaiki ist die Bezeichnung für das mystische Land, von wo aus die ersten polynesischen Siedler nach Neuseeland aufgebrochen sind.  

 

Die Campertage sind gezählt

Angespornt von meiner Tochter, die am Dienstag ihre ersten Schritte an der Hand gemacht hat, gehe ich am Mittwochmorgen ein paar Meilen am 90 Miles Beach joggen. Auf dem Hinweg wundere ich mich noch, warum ich so schnell bin, bis ich dann beim Richtungswechsel feststelle, dass ich mich nun auf 4 Kilometer mit starkem Gegenwind freuen darf. Nach einem kräftigenden Belohnungsfrühstück fahren wir weiter durch den Waipoua Forest, wo die berühmte Tane Mahuta steht. Irgendwie unglaublich vor einem Baum zu stehen, der vermutlich schon zu Jesu Zeiten hier wuchs und erst 1928 bei Straßenbauarbeiten aufgrund seiner Höhe von über 50 Metern entdeckt wurde. 

 

Tane Mahuta bedeutet "Der Herr der Bäume"
Tane Mahuta bedeutet "Der Herr der Bäume"

Am Nachmittag erreichen wir dann die Kai Iwi Lakes, wo wir unser Nachtdomizil aufschlagen. Am nächsten Morgen jogge ich um den Taharoa See und nehme statt der Dusche ein Bad im (kühlen) See. Zur Belohnung gibt es auf dem Weg gen Süden einen sauguten Kaffee und ein leckeres Eis im Blue Cat Café in Wellsford. Für den letzten Sonnenuntergang haben wir uns den schwarzen Muriwai Beach ausgesucht. Tausende Australische Tölpel finden hier auf den Felsen ihren Rast- und Brutplatz. Sie sind brillante Flieger, beim Landen und Starten gibt es allerdings Abzüge in der B-Note. 

 

Am Freitagmittag kommen wir in Auckland an und finden dank einer perfekten Wegbeschreibung unseres AirBnB-Gastgebers den Weg in die Wohnung am Fuße des Mt. Eden. Nachdem wir den Camper ausgeräumt und ausgefegt sowie den Tank und Gasflasche aufgefüllt haben, verabschieden wir uns nach exakt 4.725 Kilometern von unserem Wegbegleiter. Auch wenn er kleine Mängel hatte (alte Scheibenwischer, klackernder Gurt usw.), hat er uns zuverlässig durch Starkregen, Starkböen, Schotterpisten und enge Bergpässe gebracht.

 

 

Spaziergänge durch Auckland

Am Nachmittag spazieren wir auf den Mt. Eden, ein vor über 28.000 Jahren erloschener Vulkan mit einer phänomenalen Aussicht auf die Skyline der größten Stadt des Landes.

 

Am Samstag stiefeln wir bei typischem Herbstwetter in die Innenstadt bis zum Hafen. Wir fragen uns, welche Menschen sich hier 50 Meter Yachten hinstellen können (später stellt sich heraus, dass wir vor dem Schiffchen von Google-Gründer Larry Page standen), die zusätzlich drei Jetskis und,  wie bei Herrn Page, gleich einen Helikopter Huckepack tragen. Hoch hinaus geht es an diesem letzten Abend auch bei uns und zwar auf den Sky Tower. 200 Meter unter uns verwandelt sich die Stadt nach einem unspektakulären Sonnenuntergang in ein funkelndes Lichtermeer. Wir halten inne und sagen: „Whakawhetai, Aotearora.“

 

Sonntag, der 22. April 2018 wird in unsere persönlichen Geschichtsbücher eingehen, als der Tag, den wir zwei Mal erleben dürfen.

 

Zunächst besuchen wir die Eden Community Church, praktisch um die Ecke unseres Appartements. Wir haben es sehr selten erlebt, dass eine Gemeinde so herzlich auf Besucher zugeht. Wir wurden, in keinster Weise aufdringlich, von einem Gespräch ins nächste verwickelt. Schlussendlich sind wir noch mit einem Ehepaar und der Mutter der Frau zum Mittagessen in einem nahen Café eingeladen worden. 

 

Goodbye NZ, Aloha Hawai'i

Nachdem wir unsere randvollen Koffer gepackt hatten, rufen wir uns ein Uber zum Flughafen (günstiger und schneller als mit dem Bus). Mit großen Augen stehen wir bei der Ankunft unseres Fahrers vor seinem Kleinstwagen (Toyota Aqua) und sehen uns staunend an, wie unsere 7hoch7 Sachen im Auto verstaut werden. Eine halbe Stunde später sind unsere Sachen eingecheckt und wir zum Abflug bereit. Zumindest rein formal. Es fühlt sich seltsam an, jetzt erstmal Adieu zu sagen zu einem Land, in dem es keine Bierdeckel aber von jedem Naturwunder mindestens eins gibt, in dem Nutella 1 Euro je 100 Gramm kostet, es aber dafür so leckere Sachen wie Tim Tams, Afghans, L&P, Chow Chow und Gingerbeer (bald mit einem größeren Angebot in Deutschland erhältlich, darauf wette ich) gibt. Ein Land voller liebenswerter Menschen, die nicht umsonst Kiwis genannt werden, genauso wie der harmlose kleine freundliche Vogel, den man mit Glück nur nachts sehen kann. Nochmals sagen wir DANKE liebes Neuseeland, dass du uns soviel schöne Momente beschert hast. Auf Wiedersehen, who knows?! 

 

Der Sonne entgegen: 7.079 Kilometer später landen wir auf der Nordhalbkugel in Honolulu.
Der Sonne entgegen: 7.079 Kilometer später landen wir auf der Nordhalbkugel in Honolulu.

Nach Überquerung der internationalen Datumsgrenze befinden wir uns etwa 8 Stunden später 7.000 Kilometer weiter nordöstlich auf einer Insel mit dem paradiesischen Namen O‘ahu. Jorge, unser hawaiianischer Host für die nächsten 11 Tage, holt uns vom Flughafen ab. Zuhause erwartet uns unerwarteter Luxus: Kaffeemaschine, Wasser im Kühlschrank, Waschmaschine und Trockner und, jetzt haltet euch fest, ein Dusch-WC! Inzwischen bin ich ein Fan von diesem Ding, allein schon der warme Toilettensitz, mmh. Er leiht uns zudem seine Wagen und so fahren wir mit einem nagelneuen Civic zum Waimanalo Beach zum Bodyboarden im lauwarmen Pazifik. Aloha, Hawaii! 

PS: hier drei Songs, die wir mit Neuseeland verbinden: 

 

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