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#sunwards - Elternzeitreise um die Welt | Woche 8

„I don’t like Mondays“, aber solche schon: in unserer Nachbarschaft befindet sich die Hanauma Bay. Die Bucht ist ein zur Meerseite offener Krater, der sich mit seinen Korallen ideal zum Schnorcheln eignet. Um die empfindliche Natur zu schützen, ist der Einlass auf 3.000 Menschen täglich begrenzt. Außerdem muss jeder vor dem Betreten einen 15-minütigen Film über die Entstehung und die richtige Verhaltensweise beim Schnorcheln über sich ergehen lassen. Hier ist das Wasser bis auf einzelne Strömungen sehr ruhig, ideal also für die erste Open-Water-Badesession unserer Kleinen. Beim Tauchen kommt man sich vor, wie in einem übergroßen Aquarium. Überall kleine, große und mittelgroße Fische in allen Farben und Aggressivitätsgraden. Manche ergreifen sofort die Flucht, andere schauen einen nur skeptisch an und wieder andere gehen auf Konfrontationskurs: anschauen, warten, näher kommen, wieder anschauen, schnell in den Oberschenkel des Gaffers beißen, wieder schauen und dann zufrieden den Typ in Badehose davon eilen sehen. Ganz anders sind da Riesenschildkröten. Eine trieb in aller Ruhe einen Meter vor meiner Nase rum und fraß gemütlich ihren Nachmittagssnack.

 

Mit den letzten Gästen gingen wir kurze Zeit später zum Auto zurück und fuhren zum Sonnenuntergang an den Waikiki Beach nach Honululu, angeblich der Geburtsort des Surfens.

 

 

"Splitted showers"

Das Wetter am Dienstag ist unbeständig und dennoch entscheiden wir uns für eine kleine Wanderung zum Makapuu Leuchtturm. Der Ausblick aufs Meer ist fantastisch. Vor uns teilt sich auf einmal ein größeres Regenfeld und zieht – ohne Scheiß – jeweils innerhalb von nur wenigen Minuten einige hundert Meter links und recht an uns vorbei.Ich nenne das Phänomen mal "splitted showers".


Von hier aus fahren wir die Ostküste entlang zum Kailua-Beach. Eigentlich gehört dieser Strand zu den beliebtesten auf der Insel, aber bei diesem Wetter sind wir während des Lunchs bis auf ein paar wetterfeste Tauben, fast allein (Möwen haben wir übrigens auf Hawaii keine einzige gesehen). Am späten Nachmittag halten wir noch an einem Café, wo wir uns eine Acai-Bowle teilen. By the way: Acai ist eine meiner absoluten Favoriten. Kennen- und liebengelernt in Brasilien habe ich diese kleinen dunklen Beeren bisher immer in Form eines Sorbets gemampft. In Kombination mit etwas Müsli, Banane, Kokosflocken und Honig ist diese gesunde Zwischenmahlzeit fast so lecker wie Schokolade.

 

Außen hui, ...

Apropos Schokolade: dass auch Hawaii nicht nur Schokoladenseiten hat, wird uns am Mittwoch bewusst, als uns ein Lifeguard auf einem Strand abfängt und uns enttäuscht mitteilt, dass sein Abschnitt heute wegen Wasserverschmutzung geschlossen und Baden nur auf eigene Gefahr erlaubt wäre. Wir fahren weiter zum Postkarten-Strand von Lanikai. Weißer Sand, Palmen, zwei Inselchen vor der Küste und türkisfarbenes Wasser. Hier kann es sowas nicht geben, denken wir. Bei genauerem Hinsehen fallen uns dann aber die vielen kleinen Plastikteilchen im Sand auf. Mikroplastik dieser Art tötet jedes Jahr tausende Vögel und Fische im Pazifikraum. Weitere Schwachpunkte dieses Strandes sind fehlende Toiletten weit und breit. Wahrscheinlich verrichtet hier jeder Besucher sein hoffentlich „nur“ kleines Geschäft im Wasser. Und nicht zuletzt ist die Parksituation eine Zumutung. Wir stellen unser Auto in die Nähe einer Kreuzung auf einen Seitenstreifen etwa einen Meter von einem Hydranten entfernt. Mein schlechtes Gefühl bestätigt sich, als wir zurückkommen und einen schön gefalteten Strafzettel an unserer Frontscheibe finden, mit dem Vermerk, dass man gefälligst 10 Fuß (ca. 3 Meter) Abstand zu Wasserhydranten halten soll. Das Ende vom Lied: 35 Dollar Lehrgeld und ein Riesenglück, das wir nicht abgeschleppt worden sind.

 

 

 

stairway to heaven

Wenn wir morgens wach werden und aus unserem Fenster schauen, sehen wir nicht nur den vier Kilometer entfernten Pazifik sondern auch einen großen Berg. Dabei handelt es sich um den 368 Meter hohen Koko Crater, der vor etwa 30.000 Jahren das letzte Mal ausbrach. Einige Jahre später zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs errichtete die Army hier eine Radarstation und ließ mit einer Bergbahn militärisches Equipment hinauf fahren. Die alten Gleise dienen heute als Wanderweg auf den Kraterrand. Knapp über 1.000 Stufen sind zu bewältigen. Sogar die Obamas sind hier als Einheimische schon hochgekrackselt. Mit der Kleinen auf dem Rücken machen wir uns ans Tagwerk und merken schnell wie anstrengend der Aufstieg ist. Kurz vor der Erschöpfungsgrenze erreichen wir nach ca. 40 Minuten die Spitze. Die Aussicht ist unser Lohn für die Mühe. Wir können bis nach Honolulu schauen und überblicken den gesamten Krater, auch wenn die Wolken recht tief hängen. Der Abstieg ist dann nochmal ein Abenteuer für sich, weil wir erneut einen Abschnitt passieren müssen, bei dem die Gleise in ca. 3 Metern Höhe ohne Absicherung eine Brücke bilden. Nur gut, dass die Kleine schläft und nicht herumzappelt – wenn die wüsste, denke ich nur ...

 

 

Tränen im Wasser

Etwas gemütlicher dafür aber umso informativer gestalten wir den Freitag. Wir besuchen die Gedenkstätte von Pearl Harbour und ergattern sogar noch kostenlose Tickets zur USS Arizona, dem Kriegsschiff auf dem über 1.000 Menschen am frühen Morgen des 7. Dezember 1941 lebendig begraben wurden, als ein japanisches Kampflugzeug mit einem Torpedo das Munitionslager der Arizona trifft und diese danach sofort zu sinken beginnt.

 

Pearl Harbour ist für jeden etwas anderes und nirgendwo sonst wurde mir vor Augen gehalten, welchen Stellenwert die US-Truppen für viele Amerikaner haben. „If you don’t stand behind our troops feel free to stand in front of them“ heißt es auf einem Aufkleber an einem Auto. Für mich ist dieser ganze Militärkram nur ein Zeichen menschlicher Schwäche und Angst. Wenn jeder stets bereit wäre Kompromisse zu machen und nicht nur seinen eigenen Vorteil im Auge hätte, bräuchte man keine Angst haben, dass andere einen angreifen und etwas wegnehmen. Waffen wären überflüssig und zigmilliarden Dollar könnten für sinnvollere Sachen investiert werden als für Kriegs-Utensilien. Aber zurück zu Pearl Harbour. Besonders beeindruckend ist die Bootsfahrt zum Arizona-Denkmal. Dies steht direkt über dem untergegangenen Wrack. An einigen Stellen ragen noch Überreste heraus und immer wieder schimmern kleine Benzinteppiche auf dem Wasser. Diese werden als Tränen der bis heute im Wrack begrabenen Navys interpretiert. Eigentlich handelt es sich um Treibstoffreste, die man nicht abpumpt, weil befürchtet wird, dass das Wrack damit instabil wird und die Gedenkstätte damit zerstört würde.

 

 

 

Zwischen Bergen und Meer

 

Am Samstag machen wir einen Spaziergang auf den Diamonds Head. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass es hier entweder nur Komfort-Wanderwege oder Killer-Besteigungen gibt. Der Weg auf den Hausberg von Honolulu ist eher ersteres, aber dafür umso netter ist die Aussicht auf die Skyline und den fast perfekt kreisrunden Krater.

Noch nicht ganz ausgelastet jogge ich am Abend zum Sandy Beach. Eigentlich wäre dieser Strand perfekt, wenn die Wellen hier nicht so eine ungeheure Wucht hätten. Ein Lifeguard hat uns gleich an unserem ersten Tag abgeraten, hier ins Wasser zu gehen. Nichtsdestotrotz gibt der Strand im Abendlicht eine traumhafte Kulisse ab.

 

 

 

Sonntagvormittag ist wieder mal Churchtime. Das besondere hier war ein kleines Handout, mit einem Lückentext, der sich nur dann füllen lässt, wenn man der Predigt folgt. Was sich Pastoren so einfallen lassen. 

Nach ein paar Smalltalks fahren wir zum Bellows Beach Park. Da dieser zum US Air Force Trainingsgelände gehört, ist er für die Öffentlichkeit nur von Freitagmittag bis Sonntag geöffnet. Das nutzen viele Einheimische zum Zelten, Grillfeten veranstalten und „Wer-hat-den-dicksten-Pickup“-Wetteifern. Da fällt unser 250-PS-Porsche-Cayenne, den wir übers Wochenende kostenlos (!) von unserem Host bekommen haben, gar nicht mehr auf. Nichtsdestotrotz formen tolle Wellen und warmes Wasser hier die idealen Bedingungen zum Bodyboarden und gleichzeitig einen schönen Abschluss unserer ersten Woche im Aloha-State.

 

 

Sonnenuntergang an der Chinese Wall auf O'ahu.
Sonnenuntergang an der Chinese Wall auf O'ahu.

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